Ich werde immer wieder gefragt, ob Hypnose auch funktioniert, wenn man ein Kontrollfreak sei. „Ja, kein Problem“ sage ich und ernte ungläubige Blicke.
„Wir Hypnotherapeuten arbeiten nicht gegen die Kontrolle sondern mit ihr.“

Wir Hypnotherapeuten – zumindest kann ich das für die ausgebildeten Hypnosetherapeuten der Milton-Erickson-Gesellschaft sagen – wollen Menschen in Ihrer Kompetenz fördern, sie stärken, daher arbeiten wir nicht gegen das Grundbedürfnis eines jeden Menschen nach Orientierung, Sicherheit und Kontrolle, sondern mit diesem Bedürfnis. Es ist für viele angenehmer, die Augen bei der Hypnose zu schließen und diese innere Abgeschiedenheit zu genießen. Viele Menschen, die meinen, ein Kontrollfreak zu sein, erlauben sich, oft für sie selbst überraschend, sogar in eine tiefe Trance zu gleiten. Natürlich kann man sich jederzeit reorientieren, wenn man das Bedürfnis hat. Es freut mich und berührt mich, wenn Menschen nach der Trance mit einem Lachen sagen „Ich mag gar nicht zurückkommen, kann ich hier nicht liegen bleiben“. Es gibt aber auch Menschen, die auf keinen Fall die Augen schließen wollen. Solange man keine harten Kontaktlinsen trägt, ist das kein Problem. Bei diesen Klienten erlebe ich die Trance eher als eine Art Kampf mit sich selbst, es erinnert daran, wie wenn man sooo müde ist und absolut nicht schlafen darf. Jeder Mensch, der so eine Hypnosebehandlung anstrebt hat oft guten Grund, nicht die Augen zu schließen, auch wenn er den vielleicht vergessen hat. Das hat für mich weniger etwas mit dem Kontrollbedürfnis zu tun, sondern eher mit der Erfahrung, nicht in Anwesenheit anderer zu entspannen und die Augen zu schließen. Das ist ein großer Unterschied.
Bei Kindern wiederum ist das Unbehagen, vor einem Fremden die Augen zu schließen gar nicht so selten und viel unverblümter. Manche halten sich dazu die Hände vor die Augen oder blinzeln. Daher sage ich den Kindern, dass sie sich an Mama (oder Papa) ankuscheln können und die Augen schließen. Oft sind Kinder in der Visualisierung auch so fix, dass sie „danach“ die Augen öffnen, um weiter aufmerksam zu folgen. Oftmals ist daher bei Kindern eine klassische Tranceinduzierung nicht notwendig, sie haben oft eine blühende Phantasie – auch mit geöffneten Augen.

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