(Fehl)Geburten in der DDR

Achtung: enthält mögliche Trigger

Auch 1990 gab es noch menschenunwürdige Umstände, unter denen Frauen entbunden haben. Kaum vorstellbar, in einem Achtbettzimmer ein Kind in der 19. SSW zur Welt zu bringen, neben einer jungen Frau, die zur Abtreibung kommt und einer 80j mit Krebs. Sie sieht, dass das Baby lebt.

1980 gab es noch Dokumente, die belegen, dass Frühgeborene unter 1000g Geburtsgewicht ertränkt wurden oder der frische Nabel des Babys mit infizierten Mullbinden umwickelt wurden, damit das Baby an Infektionen starb. 1990 sind solche Vorgänge nicht mehr dokumentiert.

Sie sieht, dass ihr Baby lebt. Sieht, dass es ein Mädchen ist. Später sagt man ihr, es sei gestorben. Marie wird mit dem organischen Krankenhausabfall entsorgt. Verbrannt. Ohne Sterbeurkunde. Einfach entsorgt, so, als ob es sie nie gegeben hätte.

Eine andere Frau erzählt mir, sie hätte vor 35 Jahren eine Totgeburt gehabt, in der 21.SSW, sie wüsste nicht mal, ob es ein Junge oder Mädchen war, es wurde gleich weg gebracht. Ebenfalls ohne Sterbeurkunde. Als sie weinte, sagte der Arzt, sie solle damit aufhören, sie könne noch viele Kinder bekommen. Dem war nicht so. Sie blieb kinderlos.
In der Trance gibt sie dem Kind das erste Mal einen Namen: Michelle. So kann sie nach 35J Abschied nehmen und trauern.

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