Bindungstrauma

Die klassische Diagnose nach dem ICD 10 für ein Bindungstrauma ist

F60.3 „emotional instabile Persönlichkeitsstörung“ sowohl
..30 impulsiver Typus und
..31 Borderline Typus.

Zitat: „Die emotional instabile Persönlichkeitsstörung… mit eindeutiger Tendenz, impulsiv zu handeln ohne Berücksichtigung von Konsequenzen, und mit wechselnder, instabiler Stimmung. Die Fähigkeit, vorauszuplanen, ist gering und Ausbrüche intensiven Ärgers können zu oft gewaltätigem und explosiblem Verhalten führen: dieses Verhalten wird leicht ausgelöst, wenn impulsive Handlungen von anderen kritisiert oder behindert werden. Zwei Erscheinungsformen dieser Persönlichkeitsstörung können näher beschrieben werden, bei beiden finden sich Impulsivität und mangelnde Selbstkontrolle.“ Diese Beschreibung umfasst schon den impulsiven Typus.
Der Borderline Typus wird folgendermaßen ergänzt: „zusätzlich sind oft das eigene Selbstbild, Ziele und >innere Präferenzen< (einschließlich der sexuellen) unklar und gestört. Meist besteht ein chronisches Gefühl der Leere. Die Neigung zu intensiven, aber unbeständigen Beziehungen kann zu wiederholten emotionalen Krisen führen mit übermäßigen Anstrengungen, nicht verlassen zu werden, und mit Suizidandrohungen oder selbstschädigenden Handlungen.."

So, wie für mich die „posttraumatische Belastungsstörung“ (F43.1, ICD 10) keine -Störung ist, sondern eine natürliche -Reaktion, ist auch die sogenannte „emotional instabile Persönlichkeitsstörung“ für mich keine -Störung sondern eine natürliche Reaktion auf eine emotional instabile Bindung, logischerweise also eine

emotional instabile Bindungsreaktion auf ein frühkindliches Bindungstrauma

Denn die Beschreibung der „Störung“ erinnert doch sehr an ein kleines, ganz normal reagierendes Kind von ca 4 Jahren, das gerade erst lernt, seine Emotionalität nicht zu kontrollieren, sondern zu regulieren. Diese Kinder werfen hinter sich die Tür zu, schmeißen mit Bauklötzen, schreien manchmal und kommen nach 5 Minuten wieder raus und sind wieder „ganz normal“. Meistens haben sich aber die Erwachsenen, sprich Eltern, noch nicht reguliert und manche reagieren dann abweisend, ironisch oder verletzend auf das Kind, wodurch das Kind irritiert wird, weil es keine normale, liebende Resonanz durch die Eltern erhält.

Nach meiner Erfahrung beginnt das Bindungstrauma bereits eher, manchmal schon im Mutterleib. Es ist gar nicht so selten, dass die „passenden Mütter dazu“ in der Schwangerschaft eine prä- und perinatale Depression hatten, die nicht erkannt wurde. Manchmal lag auch eine „schwere Geburt“ vor, ein Kaiserschnitt mit Trennung von der Mutter, weil es noch kein Rooming-In, Känguruing oder Pucken usw. gab.

Ich möchte an dieser Stelle auf den wunderbaren Film: „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ empfehlen https://www.youtube.com/watch?v=hxwDt0a5GYE

(Fehl)Geburten in der DDR

Achtung: enthält mögliche Trigger

Auch 1990 gab es noch menschenunwürdige Umstände, unter denen Frauen entbunden haben. Kaum vorstellbar, in einem Achtbettzimmer ein Kind in der 19. SSW zur Welt zu bringen, neben einer jungen Frau, die zur Abtreibung kommt und einer 80j mit Krebs. Sie sieht, dass das Baby lebt.

1980 gab es noch Dokumente, die belegen, dass Frühgeborene unter 1000g Geburtsgewicht ertränkt wurden oder der frische Nabel des Babys mit infizierten Mullbinden umwickelt wurden, damit das Baby an Infektionen starb. 1990 sind solche Vorgänge nicht mehr dokumentiert.

Sie sieht, dass ihr Baby lebt. Sieht, dass es ein Mädchen ist. Später sagt man ihr, es sei gestorben. Marie wird mit dem organischen Krankenhausabfall entsorgt. Verbrannt. Ohne Sterbeurkunde. Einfach entsorgt, so, als ob es sie nie gegeben hätte.

Eine andere Frau erzählt mir, sie hätte vor 35 Jahren eine Totgeburt gehabt, in der 21.SSW, sie wüsste nicht mal, ob es ein Junge oder Mädchen war, es wurde gleich weg gebracht. Ebenfalls ohne Sterbeurkunde. Als sie weinte, sagte der Arzt, sie solle damit aufhören, sie könne noch viele Kinder bekommen. Dem war nicht so. Sie blieb kinderlos.
In der Trance gibt sie dem Kind das erste Mal einen Namen: Michelle. So kann sie nach 35J Abschied nehmen und trauern.