Emetophobie

Emetophobie (spezifische Phobie) ist die Angst vor dem Erbrechen, bei sich selbst oder bei anderen Menschen, aber auch bei Tieren. Geräusche, Gerüche oder das Wissen um Magen- Darmgrippe in der Schule oder Familie und „Sauforgien“ auf Parties kann Auslöser sein.

Meistens beginnt sie im Kindesalter und kann sich mit dem Älterwerden steigern, oft begleitet mit Zwangshandlunglungen und/oder -gedanken. Die Emetophobie bei Kindern ist relativ gut behandelbar. Je länger sie dauert, desto langwieriger wird die Behandlung und die Prognose schlechter. Bisher hatte ich einen Jungen und mehrere Mädchen und Frauen in Behandlung, ob das Geschlechterverhältnis repräsentativ ist, weiß ich nicht. Ich denke, die Dunkelziffer bei Jungen oder Männern mit Emetophobie ist hoch, weil es zudem sehr schambesetzt ist. Daher stellen sich durchaus auch ältere Frauen mit Emetophobie vor, die noch nie zuvor darüber gesprochen hatten, geschweige denn eine Behandlung in Anspruch genommen hatten.

Das interessante ist, dass ein Artikel von 2017 Emetophobie bei Kindern als sehr selten beschreibt d.h. auch sehr selten dokumentiert ist, benannt wurden 2 Fälle in der Pädiatrie. in einem besagten Fall handelte es sich um eine versteckte Essstörung, die den Wunsch des Jungen zeigte, noch dünner sein zu wollen. Als Anorexie wurde es jedoch nicht bezeichnet. In einem anderen beschriebenen Fall war der Vater Alkoholiker und der Junge mit ihm allein, als der Vater sich übergab und im eingenen Erbrochenem lag und der Junge absolut hilflos war.

Die Ekelneigung und -empfindlichkeit ist allerdings ein wesentlicher Bestandteil der Emetophobie. Die häufigsten komorbiden Erkrankungen sind laut einer Studie von 2015: generalisierte Angststörungen, Panikstörungen, Hypochondriasis und Zwangsstörungen. Eine genaue Diagnostizierung und Behandlung der komorbiden Erkrankung ist wesentlich.

Es findet sich im Prinzip in jeder Geschichte ein Auslöser: meist ein heftiges Erbrechen nach einer Lebensmittelvergiftung oder Magen-/Darmgrippe oder akuter Appendizitis in der Kindheit. Dann entsteht eine Angst, sich wieder erbrechen zu müssen, oder Familienangehörige oder Kindergarten- oder Schulkameraden, dann sich in der Öffentlichkeit übergeben zu müssen usw.  Das „Kopfkino“ spielt dabei eine große Rolle. Vermeidung hilft gar nicht.

Es gibt bisher keine Leitlinie für die Behandlung, weder von der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) noch von der DGPPN (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde).

 

Advertisements