Traumatische Geburtserfahrungen

Jede Geburt ist potentiell traumatisch.
Sowohl die eigene Geburt, die wir alle erlebt haben, als auch die Geburt unserer Kinder. Manchmal sogar beide Erfahrungen.
Die traumatische Reaktion bzw das Trauma liegt nicht im Ereignis, sondern wie unser Nervensystem darauf reagiert. Diese Reaktion ist angeboren und können wir nicht willentlich beeinflussen. Das sympthische Nervensystem (NS) aktiviert unseren Organismus, um zu kämpfen (fight) oder zu fliehen (flee). Wenn wir weder kämpfen noch fliehen können, kommt es zum Einfrieren (freeze) oder zum Kollaps. Kämpfen, fliehen oder Erstarrung ist eine angeborene, evolutionäre Überlebensstrategie des limbischen Systems, unseres Säugetiergehirns.
In der Geburtssituation können wir nicht fliehen und nur bedingt kämpfen, egal, ob wir bei der Geburt das Kind oder die Gebärende sind. Daher sollten die Geburtsumstände so angenehm wie möglich sein. Das wissen alle. Das wissen auch alle GeburtshelferInnen und doch kommt es manchmal ganz anders als erwartet und dann muss es schnell gehen. Dann wird auf die Bedürfnisse der werdenden Mutter kaum noch eingegangen. Da unser Körper ein Körpergedächtnis hat, bleiben diese Erinnerungsspuren in unserem Nervensystem gespeichert.
Daher hat Peter Levine das SE Somatic experiencing entwickelt und Sonia Gomes hat es mit der SOMA-Therapie ergänzt. Bei dieser Methode arbeiten wir mit den Erinnerungsspuren des Körpers und unterstützen ihn, sich selbst zu heilen.

Hierzu möchte ich gerne das Video von Peter Levine „Nature’s Lessons in Healing Trauma“ empfehlen https://www.youtube.com/watch?v=nmJDkzDMllc

*Bild: Mamandyou : mother earth

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(Fehl)Geburten in der DDR

Achtung: enthält mögliche Trigger

Auch 1990 gab es noch menschenunwürdige Umstände, unter denen Frauen entbunden haben. Kaum vorstellbar, in einem Achtbettzimmer ein Kind in der 19. SSW zur Welt zu bringen, neben einer jungen Frau, die zur Abtreibung kommt und einer 80j mit Krebs. Sie sieht, dass das Baby lebt.

1980 gab es noch Dokumente, die belegen, dass Frühgeborene unter 1000g Geburtsgewicht ertränkt wurden oder der frische Nabel des Babys mit infizierten Mullbinden umwickelt wurden, damit das Baby an Infektionen starb. 1990 sind solche Vorgänge nicht mehr dokumentiert.

Sie sieht, dass ihr Baby lebt. Sieht, dass es ein Mädchen ist. Später sagt man ihr, es sei gestorben. Marie wird mit dem organischen Krankenhausabfall entsorgt. Verbrannt. Ohne Sterbeurkunde. Einfach entsorgt, so, als ob es sie nie gegeben hätte.

Eine andere Frau erzählt mir, sie hätte vor 35 Jahren eine Totgeburt gehabt, in der 21.SSW, sie wüsste nicht mal, ob es ein Junge oder Mädchen war, es wurde gleich weg gebracht. Ebenfalls ohne Sterbeurkunde. Als sie weinte, sagte der Arzt, sie solle damit aufhören, sie könne noch viele Kinder bekommen. Dem war nicht so. Sie blieb kinderlos.
In der Trance gibt sie dem Kind das erste Mal einen Namen: Michelle. So kann sie nach 35J Abschied nehmen und trauern.